Mit Ende Mai trat Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerald Tulzer nach mehr als vier Jahrzehnten am Kepler Universitätsklinikum in den Ruhestand. Sein Name ist untrennbar mit dem Aufbau und der Entwicklung der Kinderkardiologie in Linz verbunden – einer Entwicklung, die die Versorgung herzkranker Kinder in Österreich nachhaltig geprägt hat.
Als Gerald Tulzer 1986 an die damalige Landes‑Kinderklinik Linz kam, gab es noch keine kinderkardiologische Struktur. Neugeborene mit Verdacht auf einen Herzfehler mussten meist nach Wien überwiesen werden – viele von ihnen kehrten ohne therapeutische Perspektive zurück. Diese Erfahrung wurde zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, die das medizinische Angebot in Linz grundlegend verändern sollte. Tulzer begann, eine moderne Ultraschalldiagnostik aufzubauen, absolvierte Fortbildungen in Wien, Innsbruck und Bonn und etablierte die erste Herzambulanz.
Ein entscheidender Schritt folgte 1989-1990 mit einem Studienaufenthalt am renommierten Children’s Hospital of Philadelphia, einem der weltweit führenden Zentren für pädiatrische Kardiologie. Mit dieser Expertise kehrte Tulzer nach Linz zurück und trieb den strukturellen Ausbau weiter voran.
Ab 1991 wurde die Herzambulanz erweitert, die pränatale Diagnostik aufgebaut und gemeinsam mit Prim. Dr. Wilhelm Tulzer weiterentwickelt. 1993 entstand unter Prof. Dr. Klaus Schmitt das Department für Kinderkardiologie, gefolgt vom Aufbau der kinderkardiologischen Herzkatheterdiagnostik und Therapie in Kooperation mit dem AKh Linz und ersten Herzoperationen sowie einer Kooperation mit dem DHZ Berlin.
1995 markierte einen entscheidenden Schritt: die Gründung des Kinderherz Zentrums Linz – ein Meilenstein für die Versorgung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern in Oberösterreich und darüber hinaus.
Zwischen 1995 und 2000 wurden zahlreiche österreichische Erst‑Operationen durchgeführt, darunter Frühkorrekturen komplexer Herzfehler wie Fallot, AV‑Kanal oder Truncus arteriosus. 1997 gelang die erste erfolgreiche Operation eines Neugeborenen mit HLHS in Linz.
Im Jahr 2000 wurde in Linz die weltweit erste pränatale Intervention bei einem Feten mit PAIVS durchgeführt (durch Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Arzt) – ein Durchbruch, der international große Beachtung fand und den Grundstein für das heute weltweit größte fetal‑kardiologische Interventionsprogramm legte.
In den folgenden Jahren stiegen die Fallzahlen in der Herzambulanz, der fetalen Ambulanz und im OP‑Bereich kontinuierlich an. Regelmäßige Publikationen in internationalen Top‑Journals, wissenschaftliche Kooperationen und Fortbildungsveranstaltungen stärkten die Sichtbarkeit des Standorts Linz im Bereich der pädiatrischen Kardiologie.
2009 wird das Departement zur Abteilung mit eigenem Primariat. Mit der Gründung des Kepler Universitätsklinikums 2016 wurde die Abteilung zur Klinik für Kinderkardiologie. Unter Tulzers Leitung entstanden zahlreiche Spezialbereiche, darunter die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit lymphatischen Erkrankungen, EMAH‑Strukturen, elektrophysiologische Untersuchungen, VR‑gestützte Diagnostik sowie ein breites Lehr‑ und Fortbildungsangebot.
Gerald Tulzer hat Strukturen geschaffen, die es zuvor nicht gab, und Entwicklungen ermöglicht, die die Behandlung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern in Österreich nachhaltig verbessert haben. Sein Engagement, seine fachliche Exzellenz und seine Menschlichkeit haben Generationen von Familien und Kolleginnen sowie Kollegen geprägt.
Die Geschäftsführung, die Kollegiale Führung und das gesamte Team des Kepler Universitätsklinikums danken Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerald Tulzer für sein außergewöhnliches Engagement und wünschen ihm alles Gute für den neuen Lebensabschnitt.