Intensivmedizin
Kindern helfen – und zugleich jene stärken, die sie künftig vor Ort versorgen: Diesen Ansatz verfolgt das „Paediatric Urology Team for Eritrea“. Ärztinnen und Ärzte aus mehreren österreichischen Kliniken und Bundesländern arbeiten dafür ehrenamtlich mit eritreischen Partnerorganisationen zusammen. Mit OA Dr. Friedrich Hamberger, Kinderanästhesist und Allgemeinmediziner, ist auch ein Mediziner des Kepler Universitätsklinikums Teil des Teams.
Begonnen hat das Projekt 2007: Dr. Marcus Riccabona rief es ins Leben, um Kinder mit Blasen- und Nierensteinen sowie Inkontinenz medizinisch zu versorgen. Im November 2022 verstarb der Initiator und damalige Leiter während eines Einsatzes in Asmara. Seither führt ein klinik- und bundesländerübergreifendes Team die Initiative gemeinsam mit den eritreischen Partnern fort. Aus den anfangs vor allem auf Operationen und Untersuchungen ausgerichteten Einsätzen ist schrittweise ein umfassender Wissenstransfer geworden. Heute nimmt die Aus- und Weiterbildung des lokalen medizinischen Personals eine zentrale Rolle ein.
Im Mittelpunkt steht der „Teach our Teachers“-Ansatz: Ärztinnen, Ärzte und Anästhesiefachkräfte erwerben Wissen und praktische Fertigkeiten – und geben beides anschließend selbst weiter. Dieser Ansatz trägt Früchte: Seit 2025/2026 übernehmen eritreische Anästhesisten zunehmend selbst die Lehre. Unter dem Leitgedanken „Teach our Teachers“ vermitteln sie die ultraschallgestützte Regionalanästhesie eigenständig an Kolleginnen und Kollegen – unter anderem in Kooperation mit der Eritrean Anesthetists’ Association (ERIAA). Das österreichische Team begleitet diese Entwicklung bei seinen Einsätzen. Inzwischen umfasst das Programm auch POCUS (Point of care ultrasound), den patientennahen Ultraschall. Als nächsten Schwerpunkt wünschen sich die eritreischen Partner die Beatmung von Kindern; das klinikübergreifende Team erarbeitet derzeit ein entsprechendes Konzept.
Behandelt werden die Kinder am International Operations Center for Children (IOCCA) in Asmara. Dort stehen bis zu drei Operationssäle, Ambulanzen sowie die extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) zur Verfügung. Bei diesem schonenden Verfahren werden Harnsteine durch von außen gebündelte Stoßwellen zerkleinert, sodass die Fragmente über die Harnwege ausgeschieden werden können.
Der Einsatz von 4. bis 13. Juni 2026 in Zahlen:
OA Dr. Friedrich Hamberger, Kinderanästhesist und Allgemeinmediziner am Kepler Universitätsklinikum: „Unser Ziel ist, dass die Kolleginnen und Kollegen in Eritrea medizinisches Wissen selbstständig anwenden, vermitteln und weiterentwickeln können. Wenn aus Lernenden Lehrende werden, entsteht Hilfe, die weit über die Dauer eines einzelnen Einsatzes hinauswirkt. Gleichzeitig lernen auch wir bei jeder Mission von der Erfahrung und dem Engagement unserer eritreischen Partnerinnen und Partner.“
Die Verbindung von kinderurologischer Versorgung und strukturierter Ausbildung stärkt die chirurgischen und anästhesiologischen Kompetenzen vor Ort. Fortschritte in Schmerztherapie, Regionalanästhesie, Geburtshilfe und patientennahem Ultraschall bleiben damit nicht auf die Dauer einzelner Einsätze beschränkt, sondern können im eritreischen Gesundheitssystem weiterwirken. Möglich wird das durch das ehrenamtliche Engagement der Fachleute aus den beteiligten österreichischen Kliniken und die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den eritreischen Partnern. OA Dr. Friedrich Hamberger reist als Mitglied dieses Teams in der Regel zweimal jährlich nach Asmara, um Kinder zu behandeln und die Ausbildung gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort weiterzuentwickeln.
„Wir danken OA Dr. Friedrich Hamberger für sein ehrenamtliches Engagement und dafür, dass er sein Wissen und seine Erfahrung mit den Kolleginnen und Kollegen in Eritrea teilt“, betonen die Geschäftsführung und die Kollegiale Führung des Kepler Universitätsklinikums. „Nachhaltige Hilfe bedeutet, Menschen vor Ort darin zu stärken, die Gesundheitsversorgung in ihrem Land eigenständig zu gestalten. Hilfe zur Selbsthilfe heißt, Wissen weiterzugeben, praktische Fähigkeiten zu vermitteln und gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern vor Ort die Voraussetzungen für eine dauerhaft gute medizinische Versorgung zu schaffen. So kann aus einem zeitlich begrenzten Einsatz eine Wirkung entstehen, die bleibt.“