Jürgen Schwarzbauer leitet am Kepler Universitätsklinikum gleich drei hochspezialisierte Bereiche: das Zahnlabor, das Epithetiklabor und das 3D‑Zentrum. Sein Arbeitsfeld verbindet klassisches Handwerk mit moderner Technologie – und zeigt, wie vielfältig dieser Bereich heute ist.
„Ich habe meine Lehre als Zahntechniker damals direkt im AKh absolviert. Nach dem Grundwehrdienst bin ich wieder eingestiegen und habe bald gemerkt, dass mich vor allem die Bereiche interessieren, in denen man besonders individuell arbeitet. Daher habe ich die Zusatzausbildung zum Epithetiker gemacht – das ist ein sehr spezielles Feld, bei dem man Gesichts- und Körperersatzteile herstellt. Die 3D‑Ausbildung habe ich mir schließlich aus eigener Motivation angeeignet, weil mich die technischen Möglichkeiten gereizt haben und ich das Potenzial für unser Universitätsklinikum gesehen habe.“
„Mein Tag startet um 6 Uhr im Zahnlabor. Am Vormittag stehen vor allem technische Arbeiten und Aufgaben im Zahnlabor sowie im 3D‑Zentrum an. Ab etwa 9 Uhr wechseln sich meine Tätigkeiten zwischen Patientenarbeit, Laborarbeiten, PC‑basierter Gestaltung, Design, Visualisierung und dem 3D‑Druck ab. Jeder Tag ist dabei anders: Mal ist viel Handarbeit gefragt, mal präzise digitale Fertigung oder die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachbereichen im Uniklinikum.“
„Die Mischung. Bei uns gleicht kein Auftrag dem anderen. Die Individualität der Fälle und das Improvisieren, wenn etwas Besonderes gefragt ist, machen den Beruf unglaublich vielseitig. Ich liebe das handwerkliche Gestalten genauso wie das Designen am Computer – und die Kreativität, die in beiden Bereichen steckt.“
„Ich verbringe täglich Zeit mit meiner Partnerin bei den Pferden – und mit unserem Hund natürlich. Außerdem mache ich Musik: Ich spiele in einer eigenen Band, das ist für mich ein sehr guter Ausgleich.“
„Wir stehen gerade unmittelbar vor der Gründung eines klinikweiten 3D‑Kompetenzzentrums. Das wird für viele Bereiche im KUK ein großer Schritt nach vorne, weil wir damit unterschiedlichste Fachrichtungen unterstützen und moderne Fertigungstechniken noch stärker nutzen können.“
Die Epithetik befasst sich mit der naturgetreuen Rekonstruktion fehlender Gesichtsstrukturen durch individuell angefertigte und künstlich abnehmbare Gesichtsteile. Diese sogenannten Epithesen werden exakt an die Anatomie und die Hautfarbe der Patientin beziehungsweise des Patienten angepasst. Auf diese Weise können unter anderem Ohren, Nasen, Augenpartien oder Wangen detailgetreu nachgebildet werden. Für die Herstellung kommen vor allem medizinisches Silikon, Acrylate und Lichtpolymerisate zum Einsatz, wodurch die Epithesen weich und stabil gleichzeitig sind.
Das 3D-Kompetenzzentrum für patientenspezifische 3D-Anwendungen ist eines der wenigen sogenannten „3D Hospital Labs“ in Europa und gilt damit als wegweisend in seinem Bereich. Hier werden bildgebende Daten aus CT, MRT, DVT und Ultraschall aus der zweiten in die dritte Dimension überführt und zu präzisen Visualisierungen sowie Animationen weiterverarbeitet. An insgesamt acht 3D-Druckanlagen entstehen hochwertige medizinische 3D-Modelle aus unterschiedlichsten Materialien. Zum Einsatz kommen dabei PolyJet-, SLA- und FDM-Drucktechnologien. Die gefertigten Modelle dienen unter anderem als OP-Hilfsmittel, beispielsweise in Form individueller Bohr- und Sägeschablonen für navigiertes Operieren. Darüber hinaus werden sie als Diagnostikunterstützung, Anschauungs- und Schulungsmodelle sowie für Trainingszwecke genutzt. Das „haptische“ 3D-Modell ist zudem aus der modernen Patienteninformation nicht mehr wegzudenken. Dinge begreifen zu können – im wahrsten Sinne des Wortes – ist von zentraler Bedeutung, da das menschliche Gehirn physische Objekte besonders gut verarbeitet und mit ihnen interagiert. Damit helfen 3D-Modelle Patientinnen und Patienten, ihre Erkrankung und die medizinischen Zusammenhänge besser zu verstehen, und tragen wesentlich zu einer verständlichen und transparenten Kommunikation bei.