Bücher tun gut, regen an, können zum Lachen bringen oder Trost spenden. Sie vertreiben Langeweile, helfen beim Entspannen und können Heilungsprozesse unterstützen. Genau deshalb bringt die „Bücherei auf Rädern“ des Kepler Uniklinikums seit 40 Jahren Bücher zu den Patientinnen und Patienten, nimmt sich Zeit, um vorzulesen und Bücher persönlich zu vermitteln.
Über 20 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und zwei hauptamtliche Lesetherapeutinnen sorgen dafür, dass Erkrankte, deren Begleitpersonen, Besucherinnen und Besucher sowie die im Kepler Uniklinikum Beschäftigen den passenden Lesestoff finden. „Es macht mir Freude, dem Alter entsprechende Bücher zu finden und dann die strahlenden Augen zu sehen und auch die Begleitpersonen zum Lesen zu motivieren. Ich freue mich immer, wenn ich am Dienstag mit dem Bücherwagen gehe und in meiner Pension eine sinnvolle Aufgabe habe“, so die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ingrid Gratz, die seit 2013 im Team ist.
Vielfältig ist das Angebot an Büchern, Zeitschriften und Spielen. So gibt es unter anderem Kontrastbücher für Babys, Comics, Erstlesebücher, Krimis und aktuelle Sachbücher. Auch Bücher in verschiedenen Sprachen sind im Sortiment, denn das Krankenhaus ist ein Ort, wo alle Menschen hinkommen. Da kann das Lesen eines Buchs in der eigenen Muttersprache zu einem Stück Heimat im Klinikalltag werden. „Große Dankbarkeit und Freude erlebe ich oft, wenn ich ein Buch in der jeweiligen Muttersprache gefunden habe“, so eine ehrenamtliche Bibliothekarin, die regelmäßig mit dem Bücherwagen unterwegs ist.
Das Ausleihen ist kostenlos und wird durch die dreiteilige Trägerschaft zwischen Kepler Uniklinikum, Diözese Linz und evangelischer Kirche ermöglicht. Die Bücherei entwuchs der evangelischen Krankenhausseelsorge im Jahr 1986. Auch wenn sich seit damals viel verändert hat, gilt nach wie vor: Der Spitalsaufenthalt kann die Chance bieten, sich bewusst Zeit für Geschichten oder fürs gemeinsame Spielen zu nehmen. Krankheit und Schmerz können durch das Eintauchen in Bücher in den Hintergrund rücken.
„Ein Gespür für jeden einzelnen Menschen brauchen wir beim Besuch im Krankenzimmer. Als Lesetherapeutinnen setzen wir unsere Angebote dem Gesundheits- und Entwicklungsstand entsprechend. Bei Babys und Kleinkinder singen wir oft, arbeiten mit Reimen oder verwenden Fühlbücher. Manche Kinder wollen aktiv sein, sodass wir mit ihnen spielen oder etwas Kreatives gestalten. Wenn Jugendliche Schmerzen haben oder traurig sind, tut es ihnen gut, wenn ich ihnen Geschichten vorlese. Ziel unserer Arbeit ist, das seelische und soziale Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten zu verbessern,“ so Tanja Radlmüller, Leiterin der Bücherei.
Ein bedeutungsvoller Meilenstein war 2025, als das gesamte Verleihsystem digitalisiert wurde. Dies war aufgrund der hohen Fluktuation im Krankenhaus und des strengen Datenschutzes eine technische Herausforderung. Mit dem Bibliotheksprogramm Liberex eines regionalen Herstellers aus Gmunden ist die Bücherei auf Rädern fit für die Zukunft.