Bombendrohung, Massenanfall von Patientinnen und Patienten oder andere außergewöhnliche Ereignisse wie ein Wassereintritt im OP am vergangenen Wochenende stellen Krankenhäuser vor besondere Herausforderungen. Gleichzeitig haben Kliniken als Teil der kritischen Infrastruktur einen wichtigen Versorgungsauftrag und sind hochkomplexe Organisationen, die im Krisenfall gut abgestimmt sein müssen. Um für Situationen wie oben beschrieben bestmöglich vorbereitet zu sein, hat das Kepler Universitätsklinikum (KUK) eine Krisenstabsschulung für Führungskräfte durchgeführt. Geschult wurden jene Personen, die im Anlassfall die Krankenhauseinsatzleitung (KHEL) beziehungsweise den Krisenstab übernehmen.
Ziel der Schulung war es, das Vorgehen im Ernstfall strukturiert durchzugehen, Sicherheit im Rollen‑ und Aufgabenverständnis zu schaffen sowie Fragen aus der Führungspraxis gezielt aufzugreifen. Im Mittelpunkt standen dabei die Abläufe gemäß Spitalskatastrophenplan – von der Alarmierung über Führungs‑ und Entscheidungsstrukturen bis hin zur internen und externen Kommunikation.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der professionellen Stabsarbeit als zentrales Element der Krisenführung. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der systematischen Lagefeststellung, vorausschauenden Planung und klaren Entscheidungsfindung auseinander – immer mit dem Ziel, auch unter Zeitdruck strukturiert und handlungsfähig zu bleiben.
„In Ausnahmesituationen sind klare Zuständigkeiten, ein gemeinsames Lageverständnis und rasche Entscheidungswege essenziell. Mit dieser Schulung stellen wir sicher, dass unsere Führungskräfte genau wissen, was von ihnen erwartet wird und wie sie im Krisenfall abgestimmt agieren“, betont die Kollegiale Führung des Kepler Universitätsklinikums.
Anlass für die Schulung war die Harmonisierung der Krisen‑ und Katastrophenhandbücher der beiden Standorte Med Campus (MC) und Neuromed Campus (NMC). Beide Häuser arbeiten nun auf Basis eines einheitlichen Grundkonzepts mit klar definierten Führungsstrukturen, angepassten Krisenstäben sowie aktualisierten Checklisten und Abläufen.
Damit wurde zugleich ein wesentlicher Schritt in Richtung einer standortübergreifend standardisierten Vorgangsweise innerhalb der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG) gesetzt. Ziel ist es, unabhängig vom Ort des Geschehens nach denselben Führungsprinzipien zu handeln und Entscheidungen nachvollziehbar, abgestimmt und effizient zu treffen.
„Krisen machen nicht an Standortgrenzen halt. Umso wichtiger ist es, dass unsere Spitäler nach gemeinsamen Standards arbeiten und aufeinander abgestimmte Führungs‑ und Einsatzstrukturen haben“, unterstreicht Gesundheitslandesrätin LH‑Stv.in Mag.a Christine Haberlander. „Die Schulung im Kepler Universitätsklinikum zeigt, wie konsequent hier an Sicherheit, Qualität und professioneller Vorbereitung gearbeitet wird – zum Schutz von Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden.“
In der Schulung wurden unterschiedliche Gefahren‑ und Szenarientypen behandelt – von technischen Notfällen über sicherheitsrelevante Bedrohungen bis hin zu einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten. Vermittelt wurde dabei ein konsequenzbasiertes Führungsmodell, das sich an der tatsächlichen Belastung der Versorgungsstrukturen orientiert und zwischen Normalbetrieb, kompensierter und dekompensierter Krisenversorgung unterscheidet.
Ein wesentliches Element war der Regelkreis der Führung im Katastropheneinsatz: von der ersten Lagefeststellung über Planung, Auftragserteilung und Umsetzung bis hin zur laufenden Kontrolle und Bewertung. Ziel ist es, nicht nur auf Ereignisse zu reagieren, sondern durch vorausschauende Planung „vor die Lage zu kommen“.
Besonderes Augenmerk lag zudem auf der Zusammenarbeit aller relevanten Bereiche – Medizin, Pflege, Verwaltung, Technik, Leitstelle und Krisenkommunikation – sowie auf der Rolle des Krisenstabs als zentrales Koordinations‑ und Führungsinstrument.
„Gute Krisenbewältigung beginnt lange vor dem eigentlichen Ereignis. Vorbereitung, Training und ein gemeinsames Verständnis der Abläufe sind der Schlüssel, um im Ernstfall ruhig, strukturiert und verantwortungsvoll handeln zu können. Wir möchten uns an dieser Stelle auch bei allen am Wochenende Beteiligten für den raschen und professionellen Einsatz und die großartige Zusammenarbeit bedanken. Nur so war es möglich, den technischen Defekt sowie seine Auswirkungen ohne Einschränkungen in der Versorgung der Patientinnen und Patienten zu bewältigen“, so die Kollegiale Führung.
Mit der aktuellen Schulung ist die Weiterentwicklung des Krisenmanagements im Kepler Universitätsklinikum nicht abgeschlossen. Als nächster Schritt ist ein standortübergreifendes Planspiel vorgesehen, bei dem die theoretisch vermittelten Inhalte anhand eines realitätsnahen Szenarios praktisch erprobt werden.
Ergänzend dazu sind vertiefende Schulungen für einzelne Rollen und Funktionen innerhalb des Krisenstabs geplant. Damit wird das Ziel verfolgt, die Handlungssicherheit weiter zu erhöhen und die Abläufe auch unter realistischen Belastungen zu festigen.
Das Kepler Universitätsklinikum bekräftigt damit seinen Anspruch, auch in außergewöhnlichen Situationen eine sichere, koordinierte und qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten – für Patientinnen und Patienten ebenso wie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.